Du bist so wundervoll… Paris.

Schon nach zehn Minuten spricht mich eine Person wie aus dem Nichts an. Wie sich nach einer kleinen Unterhaltung auf Englisch herausstellt, handelt es sich bei dem Unbekannten um meinen, über das „Couchsurfing“ kennengelernten Franzosen, geboren in Paris. Auf meine Frage, wie er mich trotz dieser Menschenmenge so schnell erkennen konnte, murmelt er nur, dass er das oft mache und mittlerweile schon ein Gespür für auf ihn wartende Touristen habe, was auch immer das heißen möge.

Nach einer kleinen Weltreise durch die Metro von Paris sind wir in der kleinen aber feinen Wohnung von Etienne angekommen – so heißt der Einheimische, welcher mich durch seine Heimatstadt führen will und mir die nächsten Tage ein Zimmer in seiner Wohnung zu Verfügung stellen wird. Selbstverständlich, habe ich schon auf der Fahrt nachgefragt, warum Etienne denn das „Couchsurfen“ macht und nicht wie die meisten Vermieter etwas Geld mit dem Anbieten von Zimmern verdient. Er antwortete gelassen, dass ihm das Geld das ganze Treffen und Herumführen von Touristen nicht wert sei, sondern er sich an erster Stelle über die vielen neuen Kontakte und Freundschaften in ganz Europa freue und er mit den schönen Momenten und erfreuten Touristen mehr zurückbekomme, als er sich mit Geld kaufen könne. Im nächsten Satz fügt er noch etwas Stolz hinzu, welchen ihn erfüllt, wenn er sieht das Menschen aus fernen Ländern sich aufmachen, um sein Paris zu sehen und sich von ihm seine Lieblingsorte zeigen lassen.

Ganz gerührt nehme ich mir vor Etienne einzuladen, mich ebenfalls in Stuttgart besuchen zu kommen, insofern er Zeit und Lust hat und ich von meiner Rundreise durch Europa zurück bin.

Da ich ja auch etwas von Paris sehen will, machen wir uns direkt auf den Weg in die Innenstadt. Dort sagt Etienne, findet man das beste Restaurant der ganzen Stadt, welches noch mit traditionellen Speisen seit mehreren Generationen geführt wird. Ein Glück, dass Etienne den Besitzer des Lokals kennt und dieses nicht allzu weit vom Notre Dame entfernt ist, welchen wir zuvor noch besichtigten.

Nachdem wir unser Essen bestellt haben, überwinde ich mich und frage unseren Kellner, welcher uns sehr offen begegnet ist, ob die Anschläge der Vergangenheit für ihn einen spürbaren Einfluss auf das Geschäft mit den Touristen und seinen Alltag haben. Nach einem kurzen Moment der Stille antwortet er mir, dass er bemerkt hat, wie ihm Touristen diese Frage immer öfter stellen. Jedoch versichert er mir, dass bis auf den Gedanken über das, was nicht weit von hier passiert  ist, nicht viel Bedrohung besteht. Im Gegenteil, er spricht von einem noch stärkeren Zusammenhalt, welcher nun in der Nachbarschaft herrscht und dazu führt, dass die Personen sich Gegenseitig unterstützen und ihren Hass beiseitelegen. In seinem letzten Satz spricht er noch davon, dass man in solchen Momenten den europäischen Zusammenhalt zeigen muss, damit so etwas keinen Platz in der Gesellschaft bekommt.

Da kommt auch schon unser Essen, doch innerlich stellen sich mir noch Fragen zu dem Thema. Ich finde es ziemlich beeindruckend, mit welch einem Entschluss er von diesem europäischen Zusammenhalt gesprochen hat, sich nicht unterkriegen lässt und positiv in Richtung Zukunft denkt, egal was passiert. Sicherlich wird das nicht die letzte Person auf meiner Reise sein, welche sich zu dem europäischen Zusammenhalt äußert und ich denke, dass ich den verschiedenen Einstellungen auf meiner Reise nachgehen kann.

Nachdem wir aus dem Lokal treten, fragte ich Etienne nach seiner Meinung zu der Aussage des Kellners, doch auch er kann nur die Aussagen des Kellners bestätigen. Jedoch betont er auch, dass es nicht nur diesen Zusammenhalt gibt, sondern auch Hass und Angst, welche durch solche Gräueltaten verbreitet werden.

Kurz bevor wir die Metro in Richtung Eiffelturm nehmen, fügt er noch hinzu, dass in einer so weltoffenen Stadt wie Paris, solche fremdenfeindlichen Gedanken nicht lange Platz haben, da hier täglich Kontakt mit Kulturen aus aller Welt besteht und der Austausch rege stattfindet. Da ob man will oder nicht, in einer Stadt mit so vielen Bewohnern gehört nicht jede Person der gleichen Nationalität an und es gibt auch viele Touristen.

Am letzten Tag entscheiden wir uns noch das Louvre zu besichtigen, leider haben wir uns keine Karten im Vorhinein reserviert und müssen deshalb sehr lange in der Schlange anstehen. Erstaunlich wie viele Menschen aus aller Welt reisen, um etwas zu entdecken, was es in ihrem Umfeld nicht gibt.

Nach dem Etienne mich zurück zum Bahnhof gebracht hat, verabschiede ich mich von ihm. Nach Stuttgart hab ich ihn schon gestern eingeladen und er hat mir versichert, dass wir in Kontakt bleiben. Nun geht es für mich nach den sehr schönen und interessanten Tagen in Paris weiter gegen Süden.

Doch ich denke, dass ich noch nicht mit Paris abgeschlossen habe, denn Paris hat mir gezeigt, was mein Europa ausmacht. Nicht nur die vielen Sehenswürdigkeiten aller Art, sondern auch die Menschen, welche ein  großer Teil von Europa sind, prägen mit ihrem Handeln und ihrer Einstellung gegenüber der Vielfalt, wie das Europa der Zukunft aussieht. Auch ich will etwas dazu beitragen, denn auch wenn ich nur meinen Mitmenschen jeden Tag mit einem Lächeln begegne und nicht mit Hass, sorge ich damit für ein freundlicheres und toleranteres Europa.

Allerdings, geht ja noch weiter auf meiner Reise, genauer gesagt zu meinem nächsten Stopp, Barcelona.

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