Ich sitze in einem Zug auf dem Weg nach Paris, für die Fahrt habe ich kein Geld bezahlt, weder für das Ticket für den TGV, noch für die Anreise an den Stuttgarter Hauptbahnhof. Man kann sich jetzt fragen, wie ich das geschafft habe, nun ja, ich habe an DiscoverEU, einem Angebot der deutschen Bahn und mehreren anderen europäischen Ländern teilgenommen und gewonnen – ich darf für null Euro ungefähr einen Monat durch Europa reisen. Ich darf und möchte dafür nur von meinen Erfahrungen berichten, da das Projekt den Zusammenhalt und die Freundschaft unter Europäern fördern will und demnach die Tickets verlost. Selbstverständlich konnte ich als super Sparfuchs mir die Chance nicht entgehen lassen und habe sofort zugeschlagen.
Reisen war schon immer meins und ich habe so vieles in Europa noch nicht gesehen. Ein Abenteuer mit relativ spontan ausgesuchten Zielen hat mir gerade gut in meinen Plan gepasst, mein strikt durchgeplanter Alltag, schreit förmlich nach etwas Abwechslung und einer Veränderung. Nicht zuletzt möchte ich über die Kulturen, Probleme, Traditionen und auch Gemeinsamkeiten anderer Nationen in Europa erfahren. Doch da das Entscheiden und Festlegen noch nie meine Lieblingsbeschäftigung war, reise ich nun ohne einen ganz konkreten Plan durch Europa. Mein erster Stopp ist Paris und dieser ist auch gar nicht mehr weit weg. Neben Paris, habe ich mir aber bereits die Großstädte Barcelona, Stockholm und Prag, für meine Route durch Europa, ausgesucht.
Ich wollte schon immer einmal Paris sehen, den großen Eiffelturm, die mit vielen Mythen und Erzählungen verbundene Kathedrale Notre Dame und selbstverständlich auch das schon in Vergangenheit wichtig gewesene prunkvolle Schloss von Versailles. Aber nicht nur die traditionellen Touristenattraktionen reizen mich an Paris. Ich will wissen, wie die Anschläge, welche vor ein paar Jahren stattgefunden haben, die Ansicht der parisischen Bewohner an der Europäischen Union verändert haben und ob sich deshalb etwas an der Grundeinstellung verändert hat. Ich habe deswegen mich an die Kontaktaufnahme mit einem Einheimischen gesetzt und hoffe, dass ich neben ein paar Geheimtipps, auch in diese Richtung der Person etwas entlocken kann.
Aber genug im Voraus, ich komme in zehn Minuten in Paris an. Von dort aus werde ich dann von meinem Gastgeber durch die Stadt geführt und dieser wird mich dann zu meiner Unterkunft bringen. Zum Glück muss ich nicht mehr in der Schlange stehen um mir Tickets für die Metro zu kaufen, denn das hat DiscoverEU ja schon für mich erledigt.
Auf die Minute pünktlich komme ich in Paris an, ganz genau im Ostbahnhof. Sofort fällt mir die Menschenmenge auf, welche mich nach dem Aussteigen an den Gleisen erwartet. Wie soll ich mich in so einer Menschenmenge zurechtfinden?
Nachdem ich mich überwunden habe einen Beamten nach dem Weg zu fragen, erscheinen die Halle und die ganzen wegweisenden Schilder, gar nicht mehr so unübersichtlich. Auch wenn die Unterhaltung mehr mit Händen und Füßen, als mit Worten geführt wurde, hat der Mann mich am Ende doch verstanden. Ein Glück, dass ein paar Worte in den Sprachen, welche in den an Deutschland angrenzenden Ländern vorkommen, sehr ähnlich sind.
Endlich am vereinbarten Treffpunkt angekommen, habe ich kurz Zeit meinen viel zu voll bepackten Rucksack abzusetzen. Da dieser für einen Monat mein einziges Gepäckstück sein wird, habe ich so ziemlich alles Nützliche eingepackt. Man will ja für große Abenteuer gut vorbereitet sein.