Wenn Dächer golden leuchten, ist es Prag.

Nachdem ich den Süden, Osten und Norden Europas besucht habe, fehlt nur noch der Westen. Eine Großstadt, welche mich sofort angesprochen hat, ist Prag. Wer will denn nicht die „goldene Stadt“ besucht haben? Dieses  Mal muss ich jedoch nur drei Mal umsteigen, um zu dem letzten Ziel meiner Reise durch Europa zu gelangen. Ähnlich wie bei der Fahrt nach Stockholm, steige ich jeweils in Kopenhagen und Hamburg um. Da von Berlin aus der Zug nach Prag fährt, nehme ich die Bahn von Hamburg nach Berlin.

Weil ich mit dem „Couchsurfen“ bislang in Stockholm und Paris super Erfahrungen gesammelt habe, entscheide ich mich auch dieses Mal dafür und habe mich mit einer Einheimischen verabredet. Darina, so heißt sie, lädt mich in ihre Heimatstadt Prag ein und will mir zeigen warum Prag unter dem Namen „goldene Stadt“ bekannt ist.

Sie hat mir Vorhinein mitgeteilt, dass ich doch zur Prager Burg auf dem Hradschin, einem Berg im Zentrum Prags, kommen soll. Doch die größeren Menschenmassen vor dem Eingang der Burg sind wie ein Hindernislauf, den ich überwinden muss, bevor ich Darina finde. Doch Darina hat sich erkennbar gemacht, da sie einen orangen Schirm aufgespannt hat, mit welchem wie abgemacht, ich sie erkennen kann.

Wir stellen uns kurz gegenseitig vor und dann laufen wir auch schon in das Burgareal hinein. Wie ich gelernt habe, ist das Burgareal heute das größte geschlossene weltweit. Die Burg wurde im neunten Jahrhundert gegründet und ist die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

Insbesondere hier fallen mir die mehrmaligen gründlichen Sicherheitskontrollen auf. Selbstverständlich habe ich in jeder Großstadt an den gut besuchten Sehenswürdigkeiten diese entdeckt, jedoch empfinde ich diese gründliche Kontrolle als anders. Als sehr gründlich eben.

Ich frage Darina, was es mit den Kontrollen auf sich hat und sie antwortet mir, dass es aufgrund der Anschläge in den anderen Ländern Europas ein erhöhtes Sicherheitsaufkommen in Prag gibt. Sie sagt, insofern sie nur dieses bisschen mehr Zeit für mehr Sicherheit opfern müsse, wären ihr die Kontrollen sehr recht.

Die Gelegenheit bietet sich an, um wie in den vorherigen Städten, Darina etwas zum europäischen Zusammenhalt zu befragen, so setzen wir uns auf eine Bank im Park und ich stelle meine Frage. Als erstes spricht sie davon, dass sie bis auf das erhöhte Sicherheitsaufkommen in Prag keine Auswirkungen von Anschlägen mitbekommen hat und demnach nicht so viel über die Veränderung des europäischen Zusammenhaltes aussagen kann. Darina sagt, dass ihrer Meinung nach Prag und auch Europa durch die Jahre hinweg offener und toleranter gegenüber Fremden geworden sind und so etwas, sobald alle zusammenhalten, keine große Auswirkung hat. Unter anderem betont sie sehr stark, dass der Zusammenhalt etwas Positives sei und man in Zukunft genau darauf setzen müsse bzw. dieses Gefühl an die junge Generation weitergeben müsse.

Selbstverständlich freue ich mich über ihre Worte, doch da wir noch viel vorhaben gehen wir schnell weiter, denn wir wollen auch noch in die Altstadt Prags gehen.

Dort angekommen, besichtigen wir erstmal die weltbekannte Karlsbrücke. Die Karlsbrücke ist eine im 14. Jahrhundert errichtete, historisch bedeutsame Brücke über die Moldau, welche durch Prag führt. Sie ist die älteste erhaltene Brücke über den Fluss Moldau und eine der ältesten Steinbrücken Europas, sie gilt als Wahrzeichen der Stadt. Dass die Steinbrücke früher von großer Bedeutung für den Handel von West- nach Osteuropa war lässt sich nicht abstreiten und dass diese dazu beigetragen hat, dass Prag eine heute so bedeutsame Stadt ist ebenfalls.

Als wir am nächsten Morgen die Altstadt erneut besuchen gehen, fällt mir auf, dass die Dächer golden leuchten. Darina scheint sichtlich amüsiert über meine Verwunderung und erklärt mir freundlicherweise, dass die Dach und Kirchturmspitzen noch von früher vergoldet sind und deshalb Prag auch die „goldene Stadt“ genannt wird. Nun habe ich also meine Antwort.

Die Prager Rathausuhr oder auch Aposteluhr genannt, ist eine weltweit bekannte astronomische Uhr, welche sich am Rathaus in Mitten der Altstadt befindet. Sie ist ein Meisterwerk gotischer Wissenschaft und Technik und ein wertvolles Kulturdenkmal. Dass auch zu früher Stunde schon die Menschenmassen vor der Uhr stehen, wundert mich nicht, denn diese Uhr sieht auch spektakulär aus.

Am letzten Tag von meiner Reise in Prag besuchen wir das Tanzende Haus, der Spitzname eines 1996 erbauten Bürogebäudes. Dieses Gebäude ist so interessant, da es ursprünglich als Kulturzentrum gedacht war und deswegen so untypisch für ein Bürogebäude und nicht immer symmetrisch erbaut ist. Da sich aber kein Investor finden ließ, so erzählt mir Darina auf der Fahrt nach oben, erwarb eine niederländische Versicherungsgesellschaft den Grund und setzte die heute verwirklichten Pläne eines tschechischen Architekten um.

Ich finde es schön, dass gerade die Besichtigung dieses tanzenden Hauses auf den Abschluss meiner Reise fällt, da es für mich ausdrückt was Europa ausmacht. Es zeigt, dass wenn viele Personen, auch aus verschiedenen Teilen Europas, an etwas arbeiten und ihr Herzblut hinein stecken, Großartiges, auch mal nicht-in-eine-Sparte-Passendes entstehen kann. Dass eine Leidenschaft Kulturen verbinden kann, habe ich ebenfalls nur zu gut gelernt. Dieses Miteinander ist etwas, was ohne den europäischen Zusammenhalt und dem Geben und Nehmen nicht möglich wäre und sicherlich eine positive Entwicklung aufzeigt. Dass wir uns von Angst und Neid nicht diesen Bund nehmen lassen sollten, ist hoffentlich klar, denn wie ich auch durch verschiedene Personen auf meiner Reise gelernt habe, ist die Freundschaft und das friedliche Miteinander mehr wert, als Angst vor möglichen Schäden durch Personen zu haben, welche dieses europäische Miteinander nicht wertschätzen können.

Nachdem wir das Haus fertig besichtigt haben, verabschiede ich mich von Darina am Bahnhof. Selbstverständlich bedanke ich mich auch bei ihr, dass sie mich für die Reise bei ihr aufgenommen hat und lade sie ebenfalls zu mir ein. Als sie bestätigt mich in Stuttgart besuchen zu kommen, freue ich mich sie bald wiederzusehen und steige in den Zug zurück nach Hause.

Dass ich noch nicht ganz mit dem Trip abgeschlossen habe, ist glaube ich klar. Jedoch nehme ich mir vor, sobald ich zuhause bin alle meine durch den Trip gewonnenen Freunde zu mir nach Hause einzuladen. Zum Glück ist dieses auch gar nicht mehr allzu weit entfernt, denn von Prag nach Stuttgart muss ich nur einmal in München umsteigen.

Nur ein paar Wochen, nachdem ich meine Reise durch Europa beendet habe, ist Europa in mein Wohnzimmer eingekehrt, denn ich habe meine Freunde aus den Städten, die ich besuchte, in meiner Wohnung versammelt.

Mit jeder Person habe ich etwas unterschiedliches, aber auch gleichzeitig Ähnliches erlebt, sodass mir nochmal deutlich wird wie viel Ähnlichkeit die verschiedenen Städte in Europa besitzen.Die Erfahrungen, welche ich gewonnen habe, teile ich mit meinen Freunden in meinem Wohnzimmer und freue mich, dass auch sie nur positiv von den Tagen sprechen können.

Ich glaube, dass ich viel über die Kulturen und Traditionen und auch Gemeinsamkeiten gelernt habe und die Reise für mich sehr bereichernd war. Dass das Europa, sowie wir es kennen, nur dank einem guten Umgang miteinander und einem Geben und Nehmen bestehen bleiben kann, finde ich meine wichtigste Erkenntnis. Wenn ich uns da so im Wohnzimmer sitzen sehe, im Kauderwelsch der verschiedenen Sprachen so schnell einen gemeinsamen Nenner findend, denke ich noch: Meine Güte, ist Europa schön.

Vielleicht hat meine Reise  quer durch Europa geendet, doch sie hat mir gezeigt, auf wie viel Gastfreundschaft man auch in anderen Ländern zählen kann. Ich habe mir überlegt, dass wenn ich etwas älter bin und eine eigene Wohnung habe, auch mit dem „Couchsurfing“ anzufangen und Leuten Stuttgart zu zeigen, so wie ich es kenne und liebe. Dadurch trage auch ich etwas zu dem europäischen Zusammenhalt bei.

Auch wenn die Reise vorbei ist, ist meine TravelTimeEurope noch längst nicht vorbei.

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