Mein nächster Stopp ist Stockholm im Norden Europas, jedoch muss ich um zu diesem zu gelangen, sechs Mal umsteigen. Warum ich so eine Fahrt quer durch Europa auf mich nehme, ganz einfach, ich will noch weiter fleißig Eindrücke von den verschiedensten Orten sammeln. Nachdem ich mit Paris und Barcelona Großstädte im Westen und im Süden Europas besucht habe, denke ich, dass nun der Norden an der Reihe ist. Stockholm zählt zu einer der wenigen Großstädte im Norden und nicht selten wird sie aufgrund ihrer großen Stadtfläche bestehend aus Wasser als „schwimmende Stadt“ oder als „Venedig des Nordens“ betitelt, demnach bin ich gespannt, was mich erwartet.
Es wird interessant sein, ob die Personen, die ich in Schweden treffe den Denkensweisen der anderen Personen aus den verschiedenen Teilen Europas zustimmen, insbesondere was den Zusammenhalt innerhalb Europas angeht. Ich habe das Gefühl, den Norden für den Kontrast zu brauchen und ich hoffe zudem hoffentlich an etwas Abkühlung.
Wie auf der Fahrt nach Barcelona steige ich ungefähr auf halber Strecke in Lyon um, nur mit dem Unterschied, dass ich diesmal nach Paris fahre. Von dort aus nehme ich dann den Zug nach Frankfurt am Main, wo mein Anschlusszug nach Hamburg fährt. In Hamburg steige ich dann in den Zug nach Kopenhagen, um von dort aus nach Stockholm zu gelangen. Nur zur Erinnerung: ich fahre von Barcelona nach Stockholm, somit quer durch ganz Europa, gratis. Ich bin einfach glücklich an der Verlosung teilgenommen zu haben, denn so viele tolle Erlebnisse und Eindrücke wie ich in der letzten Zeit hatte, hatte ich schon lange nicht mehr.
Nicht anders als beim ersten Trip nach Paris, habe ich auch diesmal mich per „Couchsurfing“ mit Einheimischen in Kontakt gesetzt. Die beiden heißen Lasse und Svenja und für die nächsten Tage bin ich in ihrer Wohnung zuhause. Da ich durch die lange Zugfahrt genug Zeit hatte mich zu stärken, treffen wir uns direkt vor dem ABBA Museum.
Die Karten habe ich schon online im Vorhinein gekauft, damit wir die lange Wartezeit, von welcher mich Lasse und Svenja mich gewarnt haben, verhindern. Selbstverständlich fühle ich mich auch hier erstmal überrannt von Menschen aus aller Herren Ländern, bevor ich Lasse und Svenja oder unseren vereinbarten Treffpunkt finde. Manche Dinge ändern sind wohl nie, egal welche Stadt ich besuche.
ABBA ist hier ein interaktives Museum gewidmet. ABBA, eine Band, welche sich auf der ganzen Welt großer Popularität erfreut hat und es immer noch tut, gelang durch eine pro-europäische Veranstaltung, dem Eurovision Song Contest – damals noch Grand Prix d‘Eurovision, der große Durchbruch.
Der Eurovision Song Contest, eingeführt, um nach dem zweiten Weltkrieg den Frieden zu bewahren und Europa zu vereinen. Dabei wird, was ich sehr interessant finde, bewusst versucht auf politische Inhalte zu verzichten und nur mit Musik Europa jedes Jahr zusammengebracht. Die Veranstaltung findet nun seit 1956 jedes Jahr statt und ich denke, dass etwas, was so lange besteht auch viel zu dem Zusammenhalt Europas beigetragen hat und es auch noch immer tut, indem sich Personen aus ganz Europa treffen. Aber so wie Europa dem Wandel unterliegt, so zog dieser auch in ein ESC ein. Australien darf nun als Gastland teilnehmen, russische Teilnehmer wurden aufgrund politischer Diskurse ausgebuht und die Frage nach transsexuellen Teilnehmern führte wohl so manch einen Veranstalterland an die Grenze seiner Toleranz. Vielleicht symbolisiert diese musikalische Veranstaltung auch mehr der Wunsch nach dem großen und ganzen Europa, ohne schwierige Debatten und politischen Herausforderungen. Aber so einfach ist das eben nicht immer.
Nachdem wir uns das kunterbunte Museum angesehen haben, gehen wir in die Altstadt und Innenstadt Stockholms, die Gamla stan, welche das Zentrum der Stadt darstellt. Trotz des Luxus Fahrkarten für die Bahn bezahlt bekommen zu haben, konnte ich mir den Spaß nicht nehmen lassen, mich mit einer Fähre, typisch für Stockholm, fortzubewegen.
Den letzten Tag verbringe ich in Uppsala, einer Stadt, ca. dreißig Minuten Bahnfahrt von Stockholm aus entfernt. Wie Lasse mir erzählt, studierte er an der ältesten Universität Skandinaviens, welche sich hier befindet. Diese Universität hat einen Park, in welchem sich Runensteine aus dem 11. Jahrhundert befinden. Er erzählt mir, dass es viele Interessierte an den alten Relikten gibt, da diese wenige Überbleibsel von früher sind und trotzdem viel über die vergangene Zeit aussagen können, wenn man sie richtig deuten kann.
Dass ich etwas traurig bin, als ich in den Zug nach Stockholm einsteige, ist glaube ich klar. Zu interessant und abwechslungsreich waren die letzten Tage für mich. Dennoch kann ich mich nicht beschweren, denn ganz am Ende ist meine Reise ja noch nicht.
Svenja und Lasse haben mir auf die Frage, wie sie den Zusammenhalt momentan in Europa finden, gesagt, was Etienne und Lisa schon erwähnt haben. Sie sprechen alle von einer Verbesserung. Aber ich kann von allen Ländern und Städten, die ich besucht habe, positiv sprechen. Sie haben auf mich alle offen und tolerant gegenüber Fremden gewirkt.
Am Hauptbahnhof verabschiede ich mich von den Beiden und lade sie ein, auch meine Gäste in Stuttgart nach meiner Europareise zu sein. Als sie bejahen mich in Zukunft zu besuchen, freue ich mich, bedanke mich nochmal für die schöne Zeit und beeile mich zum Zug zu gelangen.
Auf zu meinem nächsten Abenteuer, auf nach Prag.